Dr. Martin Löhr im Patientengesrpäch

Die MRT-gesteuerte Biopsie

Eine Biopsie ist die Entnahme einer Gewebeprobe; bei einer Prostatabiopsie wird entsprechend Gewebe der Prostata entnommen, um dieses dann histologisch zum Beispiel auf Krebszellen zu untersuchen. Eine Biopsie erfolgt über hauchdünne Hohlnadeln. Sie wird dann durchgeführt, wenn der behandelnde Arzt aus Ultraschalluntersuchungen oder nach einem Tastbefund Auffälligkeiten feststellt, die zum Beispiel auf einen Tumor schließen lassen.

Neuartiges Kombinationsverfahren für mehr Sicherheit und eine höhere Trefferquote

Bei erhöhtem PSA-Wert oder auffälligem Tastbefund der Prostata wird oft die histologische Abklärung des Prostatagewebes empfohlen – d.h. eine Gewebeentnahme zur weiteren Untersuchung (Biopsie). Diese wird meistens ultraschallgesteuert über den After durchgeführt und folgt dabei dem Zufallsprinzip. Häufig kommt es hierbei zu falsch negativen Befunden, d. h. die in der Prostata vorhanden Tumorareale bleiben unentdeckt, da die eingeführte Biopsienadel die Herde nicht trifft. Die Folge sind Wiederholungsbiopsien, da der auffällige Tastbefund und/oder die PSA-Wert-Erhöhung auch im weiteren Verlauf bestehen bleibt.

Erschwerend kommt oft eine entzündliche Reaktion in der Prostata hinzu: Sie entsteht entweder durch die Manipulation mit der Biopsienadel, oder auch durch die Einbringung von Bakterien aus dem Rektum im Rahmen der transrektalen Biopsie.

Magnetresonanz-Tomographie-Aufnahme
Eine Magnetresonanz-Tomographie-Aufnahme liefert hochgenaue Bilder über die Existenz tumorverdächtiger Areale.
Kombination von MRT-Aufnahme und Ultraschall-Aufnahme
In der Kombination einer MRT-Aufnahme mit einer Ultraschall-Aufnahme der Prostata lassen sich Biopsien sehr genau planen; die roten Punkte markieren die durchgeführten Biopsien.

Wir verfolgen in der Klinik für Prostata-Therapie ein modifiziertes Schema zur effizienten Diagnostik von Prostatakrebs: Bei klinischem oder laborchemischem Verdacht auf Prostatakrebs wird zunächst eine hochauflösende, standardisierte MRT-Untersuchung (MRT: Magnetresonanz-Tomographie) der Prostata nach den aktuellen Leitlinien zur Prostatadiagnostik der Europäischen Gesellschaft für Radiologie durchgeführt. Hierbei werden tumorverdächtige Areale identifiziert und genau lokalisiert.

Zusätzlich werden Informationen über die Befundausdehnung im Organ (Kapselpenetration) sowie auf Infiltrationen umliegender Strukturen gewonnen.

Des Weiteren lassen sich Aussagen zum Lymphknotenstatus treffen. Die so gewonnenen Informationen werden für eine neuartige, hochmoderne Art der kombinierten Bildgebung verwendet: Hierbei werden die gewonnenen MRT-Aufnahmen mit den aktuellen Ultraschall-Bildern überlagert (so genannte Fusionsbildgebung). Da diese Art der Untersuchung unter einer leichten Narkose durchgeführt wird, liegt der Patient völlig ruhig, verspürt keine Schmerzen und die Aufnahme kann nicht verwackeln.

Die Biopsie wird damit so genau wie mit praktisch keinem anderen Verfahren und folgt nicht mehr dem Zufallsprinzip. Tumorverdächtige Areale können somit sicher identifiziert werden. Die Biopsie erfolgt über den Damm, dem Hautbereich zwischen Hodensack und Anus. Der Operateur legt eine Art mathematisches Koordinatenraster von außen über die Prostata, mit dessen Hilfe die im Kernspinverfahren als auffällig ermittelten Areale genau angesteuert werden können. Die Punktionsvorrichtung ist bei dem Vorgang fest mit dem OP-Tisch verankert, was die Treffsicherheit der Biopsie weiter erhöht. 

HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN ZUM THEMA MRT-GESTEUERTE BIOPSIE

Wie wird eine Prostatabiopsie durchgeführt?

Bei gängigen Prostatabiopsien führt ein Arzt eine Ultraschallsonde in den Enddarm des Patienten ein. Über einen Führungskanal wird dann die Biopsienadel in die Prostata eingebracht, die über einen Federmechanismus verfügt. Löst der Arzt diesen aus, schnellt die Nadel nach vorne und entnimmt eine zylinderförmige Gewebeprobe in der Größe von 10 bis 15 Millimeter. Man spricht hier von einer transrektalen Stanzbiopsie. Die Chance, mit einer solchen Stanze auch einen Tumorherd oder eine Krebszelle zu treffen, ist stark vom Zufall geleitet. Hinzu kommt die Gefahr einer Prostata-Entzündung durch Bakterien, die über das Rektum in die Prostata gelangen. Zuverlässiger und risikoärmer ist die MRT-gesteuerte Prostatabiopsie.

Ist eine Prostatabiopsie unbedingt nötig?

Ist der PSA-Wert erhöht oder liegt ein auffälliger Tastbefund vor, ist eine Biopsie sinnvoll, um einen Krebsverdacht auszuräumen oder ihn zu bestätigen. Da Biopsien aber gewisse gesundheitliche Risiken bergen und das Ergebnis oft ungenau ist, empfiehlt sich die MRT-gesteuerte Biopsie. Dabei werden MRT-Aufnahmen mit einer hochmodernen Ultraschall-Diagnostik kombiniert.

Verspürt man Schmerzen bei einer Prostatabiopsie?

Eine Prostatabiopsie wird üblicherweise ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Patient liegt entweder auf dem Rücken oder auf der Seite und spürt von dem Eingriff nichts.

Gibt es Risiken bei einer Prostatabiopsie?

Eine Prostatabiopsie wird in der Regel ultraschallgesteuert über den After durchgeführt. Häufig sind die Befunden dann falsch-negativ. Vorhandene Tumorareale bleiben dabei unentdeckt, da die Biopsienadel diese Areale nicht trifft. In der Folge werden weitere Biopsien notwendig. Zusätzlich besteht das Risiko einer Prostata-Entzündung, da über das Rektum Keime in die Prostata gelangen. Das wird nur bei Biopsien vermieden, die über den Damm erfolgen.

Gibt es Alternativen zur Prostatabiopsie?

Eine Prostatabiopsie lässt sich bei begründetem Tumorverdacht kaum vermeiden; allerdings sollte man die Zahl der Biopsien auf ein Minimum beschränken und möglichst deren Zuverlässigkeit erhöhen.

Was ist ein MRT?

MRT steht für „Magnetresonanztomographie“. Es handelt sich um ein wichtiges medizinisches Diagnoseverfahren, das auch als Kernspintomographie oder MRI bezeichnet wird. Damit werden sehr genau Schnittbilder des menschlichen Körpers oder auch einzelner Organe wie der Prostata erzeugt.

Was ist eine MRT-gesteuerte Biopsie?

Die MRT-gesteuerte Biopsie stellt eine Kombination aus Magnetresonanztomographie (MRT) und spezieller Ultraschall-Technik dar. Damit können Tumore nahezu eindeutig lokalisiert und überflüssige Biopsien völlig vermieden werden.

Wie wird eine MRT-gesteuerte Biopsie durchgeführt?

Über ein sogenanntes Template, eine Art Raster oder Führungsschablone, werden Biopsienadeln nur an den Stellen eingeführt, die zuvor eindeutig als verdächtig eingestuft werden. Diese Areale werden erst durch eine Kombination einer MRT-Aufnahme und einer Ultraschall-Aufnahme deutlich.

 

Worin liegt der Vorteil einer MRT-gesteuerten Biopsie?

Durch die Zusammenführung der Informationen aus der Kernspintomographie bzw. der MRT-Aufnahme und dem Ultraschall können auffällige Herde gezielt punktiert werden. Bei Krebsverdacht ergibt sich durch das Kombinationsverfahren eine Detektionsrate von 90 Prozent. Außerdem erfolgt die Probenahme nicht durch den Enddarm, sondern über den Damm. Die Haut kann hier vor der Biopsie leicht keimfrei gemacht werden.