Dr. Martin Löhr im Patientengespräch

Fokale Therapie bei Prostatakrebs

Eine fokale, also zielgerichtete Behandlung eines Tumors in der Prostata berücksichtigt, dass kleine und gut lokalisierbare Tumore auch lokal und sehr effektiv behandelbar sind. Eine fokale Behandlung ist für den Patienten sehr schonend. Dafür eignen sich in erster Linie Verfahren mit hochfokussiertem Ultraschall wie dem HIFU Sonablate 500-Verfahren, aber auch die Irreversible Elektroporation (IRE) und die Photodynamische Therapie (PDT) mit Chlorin E6.

Minimal-invasives Behandlungskonzept für das Prostatakarzinom

Prostatakrebs ist mit jährlich rund 60.000 Neuerkrankungen in Deutschland mit Abstand die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern. Doch es gibt sehr unterschiedliche Formen von Tumoren, die sich nach ihrer Aggressivität und Verbreitung bzw. Lokalisation unterscheiden. In Alternative zur weit verbreiteten Methode der radikalen Prostatektomie, also der vollständigen chirurgischen Entfernung der Prostata, kamen in den letzten Jahren immer mehr schonende und lokal wirkende Verfahren hinzu. Diese berücksichtigen, dass kleine und gut lokalisierbare Tumore auch lokal effektiv behandelbar sind. Fokale Therapien erfuhren unlängst durch die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. eine deutliche Aufwertung.

Patienten können fokale Therapien vor allem dann angeboten werden, so die Leitlinien, wenn der Tumor neben anderen Kriterien eng begrenzt ist und der PSA-Wert unter 10 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt.

Als weitere wichtige Voraussetzung wird eine hochpräzise Krebsdiagnostik gefordert, wie sie bereits seit Jahren an unserer Klinik genutzt wird: Hierzu wurde ein spezielles Diagnoseverfahren entwickelt, das die Möglichkeiten moderner Ultraschalltechnik mit denen einer Magnetresonanztomographie (MRT) kombiniert. Damit wird die Zahl der notwendigen Gewebeentnahmen (Biopsien) auf das absolute Minimum reduziert, während gleichzeitig die Genauigkeit gegenüber klassischen Biopsien erhöht wird.

Dr. Thomas Dill und Dr. Martin Löhr, die beiden Urologen und Geschäftsführer der Klinik für Prostata-Therapie, konnten über die letzten Jahre hinweg mehr Erfahrungen sammeln als jede andere vergleichbare medizinische Einrichtung in Deutschland. Das gilt nicht nur bei der neuen Kombinationsmethode der Krebsdiagnostik, sondern auch bei den fokalen, schonenden Behandlungsmethoden.

Drei Verfahren für die fokale Therapie

Wir behandeln das Prostatakarzinom entweder mit hochfokussiertem Ultraschall (HIFU) nach dem Sonablate 500-Verfahren oder mit ultrakurzen Spannungs- und Stromimpulsen. Dieses recht neue Verfahren wird auch als „Irreversible Elektroporation (IRE)“ bezeichnet, oder, nach amerikanischem Sprachgebrauch, auch als NanoKnife. Auch dieses Verfahren zählt zu den in den aktuellen Leitlinien empfohlenen fokalen Therapieverfahren.
Die Photodynamische Therapie (PDT), bei der bestimmte Photosensibilisatoren wie Chlorin E6 Trinatriumsalz, oder kurz Ce6, in den Tumorzellen angereichert werden, die dann mit monochromatischem, roten Laserlicht bestrahlt werden und so absterben, ist eine weitere innovative Behandlung, die wir bei Sonderfällen einsetzen.

Alle drei Verfahren verfolgen das Prinzip einer zielgerichteten, also fokalen, Teilbehandlung der vom Tumor befallenen Prostata. Dass dieses Prinzip von der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2021 in ihren Leitlinien als Therapieoption verankert wurde, sehen wir als wichtiges Signal und als Beweis dafür, dass wir schon frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt haben. An unserer Klinik haben wir deutschlandweit die höchsten Fallzahlen, und Hunderte von Patienten wurden bereits mit HIFU- und IRE-Verfahren behandelt.
Schonende Therapie und exakte, schonende Diagnostik gehen bei uns Hand in Hand. Die Behandlung kann sich dann auf die Areale beschränken, in denen Tumorzellen nachgewiesen wurden. Tumorfreie Areale können ausgespart bleiben, sodass meist alle Funktionen der Prostata erhalten bleiben.

Das Prinzip der HIFU-Therapie mit fokussiertem Ultraschall
Bei einer fokalen Therapie wie dem HIFU-Verfahren wird hochfokussierter Ultraschall von einem Schallkopf im Enddarm ausgesandt. Bei hohen Temperaturen im Brennpunkt des Ultraschalls koaguliert das Gewebe – aber nur in einem eng umgrenzten Bereich, wo sich die Tumorzellen befinden.
Fotos: Klinik für Prostata-Therapie/M. Boeckh

HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN ZUM THEMA FOKALE BEHANDLUNG BEI PROSTATAKREBS

Was bezeichnet man als fokale Therapie?

Bei Prostatakrebs bezeichnet die fokale Therapie eine Teilbehandlung der Prostata, wenn ein Tumor auf einen bestimmten Bereich der Prostata begrenzt ist.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften einer fokalen Therapie?

Durch die Teilbehandlung ist eine fokale Therapie besonders schonend und eine gute Alternative zur weit verbreiteten Methode der radikalen Prostatektomie. Fokale Therapien sind inzwischen gut etabliert und gelten schon lange nicht mehr als experimentelle Verfahren.

Ist eine fokale Therapie wissenschaftlich anerkannt?

Fokale Therapien erfuhren unlängst durch die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. eine deutliche Aufwertung. Sie sind im Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und Deutschen Krebshilfe (DKH) unter der federführenden Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ausdrücklich genannt. In der sogenannten S3-Leitlinie Prostatakarzinom sind Einsatzmöglichkeiten und Therapieempfehlungen für fokale Therapien genannt.

Für welchen Patienten eignet sich eine fokale Therapie?

Patienten können fokale Therapien vor allem dann angeboten werden, wenn der Tumor neben anderen Kriterien eng begrenzt ist und der PSA-Wert unter 10 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt. Auch sollte der Tumor auf nur eine Seite der Prostata beschränkt und nicht zu groß und nicht zu aggressiv sein. Fokale Therapien sind auch für Patienten geeignet, die aufgrund von Vorerkrankungen oder aufgrund des Alters nicht für eine radikale Entfernung der Prostata infrage kommen, also bei eher älteren Patienten.

Diagnose Prostatakrebs: Besser warten oder besser handeln?

Bei Patienten, deren Tumor nicht so aggressiv ist, dass er sofort operiert werden müsste, die aber dennoch einen Behandlungswunsch haben, ist eine fokale Therapie besonders empfohlen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine fokale Therapie erfüllt werden?

Voraussetzung ist unter anderem eine hochpräzise Krebsdiagnostik. Dazu eignet sich zum Beispiel eine Kombination aus moderner Ultraschalldiagnostik und Magnetresonanztomographie (MRT).

Ist eine zusätzliche Biopsie notwendig?

Eine Gewebeentnahme mittels Biopsie wird durch ein Kombinationsverfahren aus Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) auf ein absolutes Minimum reduziert. Gleichzeitig wird die Genauigkeit gegenüber klassischen Biopsien vergrößert.

Welche fokalen Therapien gibt es bei der Behandlung von Prostatakrebs?

Ein Prostatakarzinom wird in erster Linie fokal mit hochfokussiertem Ultraschall (HIFU) nach dem Sonablate 500-Verfahren behandelt. Darüber hinaus gibt es die Irreversible Elektroporation (IRE) oder, nach amerikanischem Sprachgebrauch, auch als NanoKnife bezeichnet. Als drittes Verfahren steht die Photodynamische Therapie (PDT) mit Chlorin E6 zur Verfügung.

Werden fokale Therapien auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt?

Es gibt auch fokale Therapien bei anderen Tumorarten, z.B. bei Nierentumor, Lungenkrebs, Brustkrebs oder Leberkrebs. Hier ist die fokale Therapie schon lange etabliert. Bei Prostatakrebs ist eine fokale Therapie verhältnismäßig neu.