Photodynamische Therapie bei Prostatakrebs

Photosensitives Chlorin E6 bekämpft einzelne Tumorzellen

Bei der Photodynamischen Therapie mittels Chlorin E6 von Prostatakrebs werden die Tumorzellen mit monochromatischem, roten Laserlicht bestrahlt, das zu einem Absterben der Tumorzellen führt.
(Foto: Klinik für Prostata-Therapie, Heidelberg)

Die Photodynamische Therapie (PDT) ist eine Form der Krebstherapie unter Verwendung von Licht. Mit ihrer Hilfe lassen sich bösartige Tumore diagnostizieren und sehr gezielt behandeln. Sie hat sich bereits bei vielen Krebsformen bewährt – wie bei Hautkrebs, Blasen-, Lungen- und Gallengangskarzinomen. Auch bei Brustkrebs und Gehirntumoren sind Behandlungserfolge bekannt.
Bislang gab es keine Möglichkeit, diese spezielle Form der PDT auch bei Prostata-Krebs einzusetzen. Doch an der Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie wird das Verfahren weltweit erstmals mit einer besonderen, im Technologiepark Heidelberg auf dem Unicampus hergestellten photoaktiven Substanz, dem Chlorin E6, eingesetzt. Die Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie hat nun ein Verfahren entwickelt, diese neuartige Therapie auch für diese häufige Erkrankung zu nutzen.

Was ist Chlorin E6?

Chlorin E6 Trinatriumsalz, oder kurz Ce6, ist ein sogenannter Photosensibilisator, der sich speziell in Tumorgewebe anreichert. Das grüne Porphyrin wird aus Pflanzenmaterial von der Synverdis GmbH (www.synverdis.de) nach den Richtlinien der pharmazeutischen Industrie unter GMP-Bedingungen hergestellt (englisch Good Manufacturing Practice).
Die Substanz wurde bereits erfolgreich in einer klinischen Studie der Phase IIb für die Therapie des zentralen Bronchialkarzinoms getestet. In den vorliegenden Untersuchungen und Erfahrungen in Rahmen von Heilversuchen zeigte Chlorin keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. Es besitzt, wie man sagt, keinerlei Dunkeltoxizität.
Der Wirkstoff Chlorin E6 wird von der Synverdis GmbH in einer Produktionsanlage im Heidelberger Technologiepark produziert und dannals Rezeptur individuell für jeden Patienten hergestellt.
Weltweit sind rund ein halbes Dutzend verschiedene Photosensitizer, also photosensible Substanzen, bei verschiedenen Krebstherapien im Einsatz.
Das Prinzip der PDT ist am weitesten in der Dermatologie etabliert. Hier wird die photoaktive Substanz in der Regel in Form von Salben äußerlich auf die Haut aufgebracht. Dann wird die betroffene Stelle von außen mit besonderem Laserlicht bestrahlt.

Wie funktioniert die Photodynamische Therapie mittels Chlorin E6 bei Prostatakrebs?

Das Symbolbild zeigt eine Anhäufung von Tumorzellen.
Das Chlorin E6-Trinatriumsalz ist ein sogenannter Photosensibilisator, der sich selektiv in neoplastischem Gewebe anreichert, hier grün dargestellt.
Bereits 30 Minuten nach der Verabreichung von Chlorin E6 kann die rote Fluoreszenzstrahlung in der Diagnostik zur Lokalisation von Krebszellen genutzt werden.
Der Sauerstoff reagiert sofort mit Bestandteilen der Tumorzelle und löst im Tumor eine zellschädigende Wirkung aus. Es kommt letztendlich zum Absterben (Nekrose) des Tumors.
(Abbildungen: Synverdis GmbH, Heidelberg)

Dem Patienten wird ein Medikament mit der photoaktiven Substanz, Chlorin E6, als Kurzinfusion injiziert. Diese Substanz reichert sich in Tumorgeweben 20-fach stärker an als in gesunden Zellen.
Erreicht nun monochromatisches Laserlicht einer bestimmten Wellenlänge (hier rotes Licht mit einer Wellenlänge von 665 Nanometer) das Chlorin E6 in den Tumorzellen, wird die Energie des Laserlichtes auf den Photosensitizer Chlorin E6 übertragen. Diese absorbierte Energie wird an die umliegenden Sauerstoffmoleküle abgegeben, wobei sogenannter Singulett-Sauerstoff (1O2) entsteht. Dieses Sauerstoff-Molekül ist hoch reaktiv und reagiert mit allen biologischen Bestandteilen in der Tumorzelle wie Zellkern, Mitochondrien und Zellmembran. Die Tumorzelle verliert ihre Struktur und stirbt ab – ähnlich wie bei einer Chemotherapie, nur eben hoch selektiv.
Umgebende Zellen ohne Ce6 in direkter Nachbarschaft bleiben von dem roten Laserlicht weitgehend unbeeinflusst, da das Laserlicht nur in Kombination mit der lichtaktiven Substanz seine Wirkung entfalten kann.

Abhängig von der Tumorsituation werden die Laserfasern ultraschallgesteuert über den Damm in der Prostataregion positioniert oder das Tumorgewebe wird mittels einer Blasenspiegelung erreicht, da das Laserlicht eine Eindringtiefe von ca. 2 cm hat. Beide Formen der Eingriffe erfolgen in einer Kurznarkose.

Gibt es in der Medizin vergleichbare Behandlungsmethoden?

Die Photodynamische Therapie gilt als fokale Therapie, also eine Therapie, die nicht ein komplettes Organ behandelt, sondern sich möglichst gezielt auf den Tumor beschränkt. Zu diesen Therapien gehört auch die HIFU-Methode mit dem Sonablate 500 oder auch das Verfahren der Irreversiblen Elektroporation (IRE) mit dem NanoKnife.
Daneben gibt es auch noch das sogenannte Tookad-Verfahren, das an einigen Kliniken bereits eingesetzt wird. Allerdings führt der dort eingesetzte Photosensitizer nicht zu einer besonders hohen Anreicherung in den Tumorzellen. Die Bestrahlung mit Laserlicht führt zu einem Verschluss der zuführenden Tumorgefäße. Nicht die einzelne Tumorzelle wird so zum Absterben gebracht, sondern ein Teil der Prostata.
Die PDT mittels Chlorin E6 greift dagegen die einzelne Tumorzelle an und nur diese. Das benachbarte, gesunde Gewebe bleibt weitgehend unberührt.
Damit eröffnen sich ganz neue Behandlungsmöglichkeiten. Beispielsweise konnte in bestimmten Fällen, bei denen der Blasen-Schließmuskel von Tumorzellen befallen war, die Funktion dieses Schließmuskelt erhalten werden, weil nur die Tumorzellen abgetötet wurden und nicht die für die Funktion notwendigen Muskelzellen.

Bei der Photodynamischen Diagnostik (PDD) (linker Teil der Abbildung) werden Tumorzellen zum Beispiel bei einem Harnblasentumor quasi eingefärbt. Dabei wird der Fluoreszenzfarbstoff über einen Katheter in die Blase eingebracht, im Falle von Chlorin über Infusion. Der Farbstoff wird von Tumorzellen verstärkt aufgenommen und führt dann zu einer verbesserten Darstellung des Tumorbereiches während der Blasenspiegelung, vor allem, wenn das Gewebe mit blauem Licht bestrahlt wird. Man spricht hier von Fluoreszenzendoskopie. Anschließend kann der Tumor mit konventionellen Methoden, z.B. mittels chirurgischer Operation, entfernt werden.
Mit Chlorin E6 ist danach auch eine Photodynamische Therapie (PDT) möglich (rechter Teil der Abbildung). Drei Stunden nach der Injektion von Ce6 haben die Tumorzellen den Stoff aufgenommen. Durch Bestrahlung mit speziellem Laserlicht wird in den Tumoren eine chemische Reaktion ausgelöst, bei der Singulett-Sauerstoff entsteht, der wiederum das Absterben der Tumorzellen bewirkt.
(Abb.: Synverdis GmbH, Heidelberg)

Für welchen Prostatakrebs-Patienten ist die Photodynamische Therapie besonders geeignet?

Im Gegensatz zu operativen, chemo- oder strahlentherapeutischen Verfahren stellt die PDT die deutlich geringere Belastung für den Patienten dar. Ferner ist die grundsätzliche Wirksamkeit der PDT schon länger für bestimmte Hauttumoren untersucht und der Erfolg der Methode belegt.
Die Klinik für Prostata-Therapie in Heidelberg hat mit der Prostata-Krebsbehandlung mittels PDT und Chlorin E6 bislang weltweit ein Alleinstellungsmerkmal. Langjährige Studien über den langzeitlichen Verlauf einer Krebserkrankung nach einer PDT der Prostata liegen aber noch nicht vor. Daher eignet sich das neue Verfahren vor allem für Patienten, die im schulmedizinischen Sinne als „austherapiert“ gelten oder für Patienten, die herkömmlichen Therapien ablehnen.
So besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es bei einem wachsenden Tumor zu einer Verlangsamung oder gar zu einem vorübergehenden Stillstand des Wachstums kommt.
Die klinische Erforschung und Entwicklung, bis eine Wirksubstanz seine offizielle Zulassung bekommt, dauert viele Jahre. Aus diesem Grund ist das Verfahren noch nicht von den Krankenkassen anerkannt und wird als Privatleistung abgerechnet.
Für die Behandlung des Bronchialkarzinoms ist für C E6 bereits eine kontrollierte klinische Zulassungsstudie abgeschlossen. Aufgrund dieser Studie und weiterer Anwendungserfahrungen ist bekannt, dass die Nebenwirkungen durch die Substanz gering sind. Studien zur Behandlung des Prostatakarzinoms werden folgen.