"Die Tagespost" berichtet in ihrer Ausgabe vom 06.02.2016: Prostatakrebs schonend behandeln

(Würzburg, 06.02.2016) Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie wendet neues Verfahren an, das den Tumor mit Ultraschall zerstört – Gutartige Wucherungen werden mit grünem Laser entfernt

Die Tagespost berichtet in ihrer Ausgabe vom 06. Februar 2016 über neue, schonende Verfahren an der Klinik für Prostata-Therapie.

Die Tagespost berichtet in ihrer Ausgabe vom 06. Februar 2016 über neue, schonende Verfahren an der Klinik für Prostata-Therapie.

Das Risiko, an der Prostata zu erkranken, steigt mit dem Alter. Doch vieles hat sich in den letzten Jahren geändert – vor allem die Behandlungsmethoden. Schonende Verfahren belasten den Patienten kaum noch, machen aber keine Kompromisse bei der Wirksamkeit. Und es zeigt sich: eine fokale, zielgerichtete Therapie ist häufig die Methode der Wahl, wenn es zwischen Abwarten und Totaloperation zu entscheiden gilt.
Die Zeiten, in denen Männer stundenlange Operationen, tagelange Krankenhausaufenthalte und hinterher massive Einschränkungen der Lebensqualität aufgrund von Inkontinenz und Impotenz ertragen haben, sind vorbei. Bei einer gutartigen Prostata-Vergrößerung droht den Patienten an vielen Kliniken eine sogenannte Abhobelung, ein aufwändiger operativer Eingriff, der nicht selten einen zweiwöchigen Klinikaufenthalt nach sich zieht und den Organismus massiv beeinträchtigt.
Schonender ist die Kraft des Laserstrahls. Verschiedene Typen mit unterschiedlichen Lichtwellenlängen erobern inzwischen den Markt. Am häufigsten findet sich inzwischen der 180-Watt-Greenlightlaser. Ein Lichtleiter wird ohne operativen Schnitt über die Harnröhre eingeführt. Ein Laserstrahl beseitigt das gewucherte Gewebe, das den Harnfluss behindert. Der Vorteil: Sofort nach der Laserbehandlung ist der Urinabfluss ungehindert frei und Patienten können in der Regel am Folgetag die Klinik verlassen.
Auch bei Krebserkrankungen an der Prostata setzen sich zunehmend schonende Methoden wie die Irreversible Elektroporation (IRE) durch. Die Urologen platzieren dazu rings um das Behandlungsareal zwei bis sechs Elektroden, zwischen denen ein gepulstes elektrisches Feld aufgebaut wird. Dadurch werden die Zellmembranen durchlässig, und die Zellen sterben ab. Die gesunden Zellen können nachwachsen, und die Organfunktionen bleiben erhalten.
Die elektrischen Felder werden lokal eng begrenzt und zielgerichtet („fokal“) auf den Tumor gerichtet. „Es gibt Gründe, bei einem Prostata-Tumor erst mal nur zu warten, denn der Tumor wächst oft recht langsam“, so der Urologe Thomas Dill. Das setzt den Patienten allerdings nicht selten einer gewissen psychischen Belastung aus; er möchte den Tumor lieber „aktiv“ angehen, ohne sich gleich einer „Totaloperation“, also einer sogenannte Prostataektomie zu unterziehen.
Eine „fokale“ Therapie kommt diesem Wunsch entgegen, indem der Tumor mit modernsten bildgebenden Verfahren genau lokalisiert und umrissen und dann gezielt lokal behandelt wird, ohne die gesamte Prostata zu entfernen.
Ein Novum in Deutschland ist die Kombination zwischen Magnetresonanz-Tomographie (MRT) und hochintensiv-fokussiertem Ultraschall (HIFU). Dieses Verfahren wurde schon vor mehr als zehn Jahren von dem US-amerikanischen Unternehmen SonaCare Medical entwickelt, aber erst in jüngster Zeit mit dem modernsten aller Bildgebungsverfahren kombiniert. Zunächst erstellt der Radiologe in enger Kooperation mit dem behandelnden Urologen eine spezielle MRT-Aufnahme, mittels derer er den Tumor sehr genau lokalisiert. Diese Daten werden mit einer Ultraschallaufnahme der Sonablate-Sonde kombiniert.
Die komplette dreidimensionale Aufnahme der Prostata sowie des verdächtigen Tumorareals wird dann an den Urologen übermittelt. Er legt fest, welche Punkte die Sonde computergesteuert mit ihrem Ultraschall-Brennpunkt durchläuft, um den Tumor zu zerstören. Dazu wird die Sonde über den Enddarm
in die Nähe der Prostata-Drüse eingeführt. Sie sendet Ultraschall aus, der erst im Tumorareal gebündelt wird und dort die Zellen zerstört. Das umliegende Gewebe wird dabei nicht beeinträchtigt.
Die Sonde kann auch ein Ultraschallbild erstellen, aus dem der Behandlungsfortschritt und -erfolg sofort
ersichtlich wird. Der große Vorteil für den Patienten: Er spürt nichts und erwacht nach der Narkose ohne die üblichen Nebeneffekte eines operativen Eingriffs, denn die HIFU-Behandlung verläuft ohne Schnitt und Naht.
Dieses Verfahren gibt es in Deutschland derzeit nur in der Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat die Sonablate-HIFU-Behandlung vor wenigen Wochen offiziell zur Prostata-Behandlung zugelassen – vor allem zur Behandlung von wieder auftretendem Krebs nach einer Strahlentherapie. Ein wichtiges Signal für den europäischen Gesundheitsmarkt.
Autor: Martin Boeckh

Zum Download des Artikels (pdf, Die Tagespost v. 06.02.2016)