Fokale Therapie bei Prostatakrebs

Minimal-invasives Behandlungskonzept für das Prostatakarzinom

Prostatakrebs ist mit jährlich rund 60.000 Neuerkrankungen in Deutschland mit Abstand die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern. Doch es gibt sehr unterschiedliche Formen von Tumoren, die sich nach ihrer Aggressivität und Verbreitung bzw. Lokalisation unterscheiden. In Alternative zur der weit verbreiteten Methode der radikalen Prostatektomie, also der vollständigen chirurgischen Entfernung der Prostata, kamen in den letzten Jahren immer mehr schonende und lokal wirkende Verfahren hinzu. Diese berücksichtigen, dass kleine und gut lokalisierbare Tumore auch lokal effektiv behandelbar sind. Fokale Therapien erfuhren unlängst durch die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. eine deutliche Aufwertung (vgl. auch unsere Pressemeldung v. 22.11.2021).

Patienten können fokale Therapien vor allem dann angeboten werden, so die Leitlinien, wenn der Tumor neben anderen Kriterien eng begrenzt ist und der PSA-Wert unter 10 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt.

Als weitere wichtige Voraussetzung wird eine hochpräzise Krebsdiagnostik gefordert, wie sie bereits seit Jahren an unserer Klinik genutzt wird: Hierzu wurde ein spezielles Diagnoseverfahren entwickelt, das die Möglichkeiten moderner Ultraschalltechnik mit denen einer Magnetresonanztomographie (MRT) kombiniert. Damit wird die Zahl der notwendigen Gewebeentnahmen (Biopsien) auf das absolute Minimum reduziert, während gleichzeitig die Genauigkeit gegenüber klassischen Biopsien erhöht wird.

Dr. Thomas Dill und Dr. Martin Löhr, die beiden Urologen und Geschäftsführer der Klinik für Prostata-Therapie, konnten über die letzten Jahre hinweg mehr Erfahrungen sammeln als jede andere vergleichbare medizinische Einrichtung in Deutschland. Das gilt nicht nur bei der neuen Kombinationsmethode der Krebsdiagnostik, sondern auch bei den fokalen, schonenden Behandlungsmethoden.

Drei Verfahren für die fokale Therapie

Wir behandeln das Prostatakarzinom entweder mit hochfokussiertem Ultraschall (HIFU) nach dem Sonablate 500-Verfahren oder mit ultrakurzen Spannungs- und Stromimpulsen. Dieses recht neue Verfahren wird auch als „Irreversible Elektroporation (IRE)“ bezeichnet, oder, nach amerikanischem Sprachgebrauch, auch als NanoKnife. Auch dieses Verfahren zählt zu den in den aktuellen Leitlinien empfohlenen fokalen Therapieverfahren.
Die Photodynamische Therapie (PDT), bei der bestimmte Photosensibilisatoren wie Chlorin E6 Trinatriumsalz, oder kurz Ce6, in den Tumorzellen angereichert werden, die dann mit monochromatischem, roten Laserlicht bestrahlt werden und so absterben, ist eine weitere innovative Behandlung, die wir bei Sonderfällen einsetzen.

Alle drei Verfahren verfolgen das Prinzip einer zielgerichteten, also fokalen, Teilbehandlung des Prostatakarzinoms. Dass dieses Prinzip von der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2021 in ihren Leitlinien als Therapieoption verankert wurde, sehen wir als wichtiges Signal und als Beweis dafür, dass wir schon frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt haben. An unserer Klinik haben wir deutschlandweit die höchsten Fallzahlen, und Hunderte von Patienten wurden bereits mit HIFU- und IRE-Verfahren behandelt.
Schonende Therapie und exakte, schonende Diagnostik gehen bei uns Hand in Hand. Die Behandlung kann sich dann auf die Areale beschränken, in denen Tumorzellen nachgewiesen wurden. Tumorfreie Areale können ausgespart bleiben, sodass meist alle Funktionen der Prostata erhalten bleiben.

Bei einer fokalen Therapie wie dem HIFU-Verfahren wird hochfokussierter Ultraschall von einem Schallkopf im Enddarm ausgesandt. Bei hohen Temperaturen im Brennpunkt des Ultraschalls koaguliert das Gewebe – aber nur in einem eng umgrenzten Bereich, wo sich die Tumorzellen befinden.
Fotos: Klinik für Prostata-Therapie/M. Boeckh
Fokale Therapie mit Ultraschall (HIFU)