IRE-Verfahren bei Prostatakrebs

Zur radikalen Prostatektomie (vollständige operative Entfernung der Prostata) gibt es Alternativen, die schonend und minimal-invasiv sind:

  • Einmal das HIFU-Behandlungskonzept. Hochintensive fokussierte Ultraschallwellen erzeugen Hitze-Areale, die gezielt zum Absterben von Tumorzellen führen. Doch nicht immer lassen sich Tumore nach diesem Prinzip behandeln. Dies ist dann der Fall, wenn die Prostata zu groß oder in Teilen verkalkt ist. Ein solcher Fall liegt auch dann vor, wenn das Karzinom aufgrund seiner Lage oder wegen anatomischer Variationen der Prostata außer Reichweite der Ultraschallwellen liegt. Hier bietet sich das IRE-Verfahren an:
  • Das Verfahren der Irreversiblen Elektroporation (IRE). Das in der Klinik für Prostata-Therapie Heidelberg eingesetzte NanoKnife-IRE-Verfahren wurde von dem US-amerikanischen Unternehmen AngioDynamics (New York, USA) entwickelt und wird von den Heidelberger Urologen deutschlandweit erstmals standardisiert bei Prostata-Krebs eingesetzt.

Das Prinzip der Irreversiblen Elektroporation (IRE)

Das Verfahren nutzt kurze Spannungsimpulse, um Krebszellen effektiv zu zerstören – ein physikalischer Effekt, der seit Jahrzehnten bekannt ist. Die unterschiedlich starken und nur wenige Mikrosekunden langen Impulse öffnen im Anwendungsbereich die Poren der Zellen, was zu deren Absterben führt. Daher stammt auch der Begriff „NanoKnife“ – quasi ein elektronisches Skalpell, das die Zellmembran öffnet.

Das Besondere an diesem Therapie-Verfahren ist, dass die Ströme sehr kurz sind und es zu keiner Hitzeentwicklung kommt. So bleibt die Zellmatrix des gesunden Gewebes im Bereich der Behandlung erhalten und kann sich von selbst regenerieren: Das gesunde Gewebe wächst problemlos nach, und die gesunden Areale der Prostata, wie Blutgefäße und andere Flüssigkeitsleiter, werden im höchsten Maße geschont. Die abgestorbenen Krebszellen werden im Rahmen des natürlichen Wachstums durch gesunde Zellen ersetzt.

Bei der IRE-Therapie bildet sich um die nadelähnlichen Sonden ein gepulstes elektrisches Feld, das die Zellmembranen im Anwendungsbereich öffnet und damit die Zellen zerstört. Da es bei diesem Verfahren zu keiner Hitzeentwicklung kommt, kann sich das gesunde Gewebe erholen, während die Krebszellen absterben.

Grafik: Klinik für Prostata-Therapie / AngioDynamics

Die Behandlung

Wenn durch eingehende Untersuchungen wie der MRT-gesteuerten Biopsie der Krebsverdacht bestätigt ist und die Tumorbereiche lokalisiert sind, treffen Arzt und Patient gemeinsam die Entscheidung der entsprechenden Behandlung.

Vor einer IRE-Behandlung erfolgt eine übliche Untersuchung auf Narkose-Eignung sowie ab dem Tag vor dem Eingriff eine leichte vorbeugende Antibiotika-Behandlung. Der Patient erhält einen Blasenkatheter, um die Harnröhre zu schützen und einen Harnverhalt zu vermeiden. Der Blasenkatheter kann nach erfolgreicher Behandlung in der Regel wenige Tage nach dem Eingriff wieder entnommen werden.

Dank der MRT-gesteuerten Biopsie ist die genaue Lage des Tumors bzw. der Tumore bekannt. Nun werden die nadelähnlichen Sonden, zwischen denen das elektrische Feld aufgebaut wird, um die erkrankten Bereiche der Prostata platziert. Dies geschieht mittels eines so genannten Templates, das fest mit dem Behandlungstisch verbunden ist und dem behandelnden Urologen ein zielgenaues Einführen der Nadeln erlaubt. Das Template ist vergleichbar mit einer Art Schablone, die eine hochpräzise Positionierung der IRE-Nadeln möglich macht. Das Template trägt ein Koordinatensystem und enthält Bohrungen, über die entweder bei der MRT-gesteuerten Biopsie die Nadeln zur Gewebeentnahme oder bei der IRE-Behandlung die Elektro-Sonden in die Prostata eingeführt werden. Die Zahl und die Position der Sonden richtet sich nach Größe und Lage des Tumors.

Während der gesamten Behandlung befindet sich der Patient in Allgemeinnarkose, damit der Therapieerfolg nicht durch Bewegungen des Patienten beeinträchtigt wird.

Das so genannte Template ist eine Art Metallschablone, wie sie auch bei der MRT-gesteuerten Biopsie verwendet wird. Sie trägt ein Koordinatensystem, über das die IRE-Sonden millimetergenau in der Prostata bzw. um den Tumor herum positioniert werden können.
Foto: Klinik für Prostata-Therapie
Das Schema zeigt die Einführung von drei IRE-Sonden, die rings um den Tumor angeordnet werden. Die Zahl der Sonden richtet sich nach Größe und Lage des Tumors.
Grafik: Klinik für Prostata-Therapie / AngioDynamic
Die nadelähnlichen Sonden werden über ein Template in die Prostata eingeführt und bauen dort ein pulsartiges elektrisches Feld auf, das die Zellmembranen öffnet und die Zellen zerstört. Je nach Krebsgröße, kommen bis zu sechs dieser nadelähnlichen IRE-Sonden zum Einsatz.
Foto: Klinik für Prostata-Therapie / AngioDynamics

Je nach Größe des Tumors sind zwischen zwei und sechs Nadeln notwendig. Auch größere Tumore lassen sich behandeln. Sind die Nadeln um den Tumor herum platziert, werden Hochspannungsimpulse von 70 Mikrosekunden (µs) Länge ausgelöst, die sich alle 100 bis 1000 Millisekunden (ms) wiederholen. Sie bewirken kurzzeitige Ströme in der Größenordnung von rund 50 Ampère. Die Spannungsimpulse öffnen die Zellmembranen, indem kleinste Löcher entstehen, so genannte Nanoporen. Die Zelle stirbt ab.

Feldstärke und Impulslänge sind so eingestellt, dass es zu keiner thermischen Wirkung kommt – die Zellen werden also nicht durch Hitze zerstört, sondern durch des elektrische Feld des NanoKnife, das die Zellmembran öffnet.

Durch das Verfahren kann sich das gesunde Gewebe im Behandlungsareal nach kurzer Zeit wieder vollständig regenerieren, während sich das Krebsgewebe endgültig auflöst. So können wichtige Funktionen der Prostata erhalten bleiben. Je nach Lokalisation des Prostatatumors ist eine Schonung der Potenznerven möglich, so dass eine Impotenz vermieden werden kann.

Nach der Behandlung verspüren viele Patienten einen flüchtigen Muskelkater, weil die Stromimpulse die Bein- und Beckenmuskeln aktiviert haben. Meist kann der Katheter wenige Tage nach dem Eingriff wieder entfernt werden und die Patienten können die Klinik nach nur einer Nacht unter ärztlicher Beobachtung wieder verlassen.

Wie bei allen Tumorerkrankungen, muss auch beim Prostatakarzinom nach der Therapie eine sorgfältige Nachbeobachtung erfolgen. Sie dient dem Überwachen des Heilungserfolges sowie dem frühzeitigen Erkennen von meistens gut behebbaren etwaigen Komplikationen. Eine eventuelle vorübergehende Impotenz oder auch Inkontinenz ist selten, aber nicht zu 100 Prozent auszuschließen. Diese Symptome verschwinden jedoch in aller Regel nach wenigen Wochen – wenn sie überhaupt auftreten. Eine Nachuntersuchung wird nach einem Monat, anschließend im ersten Jahr nach der Behandlung alle drei bis sechs Monate empfohlen.

Kostenerstattung einer IRE-Behandlung

Es liegen mehrere Studien vor, die die Wirksamkeit des IRE-Verfahrens bestätigt haben. Die weltweit anerkannte Food and Drug Aministration (FDA), die behördliche Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde der USA, hat das Verfahren zur Gewebeablation zugelassen. Aufgrund der nachgewiesenen Wirksamkeit besteht prinzipiell eine Übernahmepflicht seitens der privaten und gesetzlichen Krankenkassen.

Vorreiterrolle bei der IRE-Behandlung

Die Klinik für Prostata-Therapie war die erste Klinik deutschlandweit, an der Urologen das Verfahren als Standardtherapie bei Prostatakrebs anwendeten. Seit circa vier Jahren werden hier Patienten mit der IRE-Therapie behandelt. Aufgrund der weit reichenden Erfahrung ist die Klinik für Prostata-Therapie für die IRE-Behandlung zu einem Schulungszentrum für Fachärzte aus ganz Europa geworden.

 

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